Der Pate des Masochismus. In Gedenken an: Leopold von Sacher-Masoch
Auch nach dem 115. Jahrestag seines Todes haben wir noch viel zu lernen über Sex, Macht und die wahre Natur der Liebe von dem Menschen, der den Begriff Masochismus maßgeblich ins Leben rufte.
Sex ist faszinierend. Es ist so faszinierend, dass es das ultimative menschliche Drama ist. Um nicht zu sagen das größte Paradoxon. Auf der einen Seite das vermeintlich einfachste der Welt wird zur komplexesten Handlung der Menschen. Sex ist dabei nicht nur Vergügen und der Akt der Fortpflanzung. Es geht viel mehr zurück an die Wurzeln. Sex ist ein Instrument der Macht.
So sah es auch vor 115 Jahren ein Mann namens Leopold von Sacher-Masoch. Eben dieser Leopold wurde am 27. Januar 1836 geboren und wird dafür verantwortlich sein, dass es heute den Begriff Masochismus in unserem Wortschatz gibt. Obwohl Sacher-Masoch bewusst wurde wie eng Sex und Macht zusammenliegen, waren es eben seine sexuellen Eskapaden die es verhinderten, dass einiger seiner Werke übersetzt wurden.
Im Laufe der Zeit ist es zwar geschehen, dass der Mann in Vergessenheit geriet aber sein Erbe lebt in der heutigen Kultur weiter. Mit eines der bekanntesten Lieder von Velvet Underground ist eine Hommage an Venus in Furs.
Der Mann
Wer war Leopold von Sacher-Masoch wirklich? Er wurde vor allem für sein Meisterwerk Venus in Furs von 1869 bekannt. Dabei ist vielen die Breite seiner Werke gar nicht geläufig. Zu seinem Repertoire gehörten neben Märchen auch Krimis. Auch war er ein sehr toleranter Mann. Er war sehr fortschrittlich und stand den Juden ebenso offen gegenüber wie er das Wahlrecht für Frauen berfürwortete. Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese beiden Gruppen zu seiner Lebenszeit als Menschen zweiter Klasse galten.
Hauptsächlich aber liebte Masoch es von Frauen geschlagen zu werden. Um diesen Fetisch bat er beide seiner Frauen wie auch seine Geliebten. Als peitschen nicht alleine nicht mehr ausreichte um die Gelüste zu befriedigen, wurden Nägel an die Enden der Peitsche befestigt um das Schmerzempfinden zu steigern. Die Lust nach Schmerzen war so immens, dass er seine Frauen fast darum anflehte ihn zu betrügen, um neben den physischen Schmerzen auch einen psychischen Schmerz zu fühlen und gedemütigt zu werden.
Die Beziehung zu seiner zweiten Geliebten aber war der Punkt, als aus der kleinen literarischen Persönlichkeit eine Galionsfigur für die ganze Fetisch-Community wurde. Sacher-Masoch und die Frau namens Fanny Pistor gingen eine Vereinbarung ein, die letztlich als Grundlage für Venus in Furs gilt. In dieser Vereinbarund ist zu lesen: “Herr Leopold von Sacher-Masoch gibt sein Ehrenwort, Frau Fanny Pistor, als Sklave zu dienen und über einen Zeitraum von 6 Monaten vorbehaltlos allen Wünschen und Befehlen nachzukommen… Frau Pistor verspricht dafür im Gegenzug, besonders wenn sie in grausamer Stimmung ist, so oft wie möglich einen Pelz zu tragen.“
Fast zwei Jahrzehnte nachdem das Buch ein Bestseller war, prägte Baron Richard von Krafft-Ebing den Begriff Masochismus. In einer Abhandlung schreibt er über eine Sammlung von Fallstudien über sexuell abweichendes Verhalten psychiatrischer Patienten. Krafft-Ebbing fühlte sich bei der Auswahl des Wortes Masochismus dadurch bekräftigt, dass der Autor Sacher-Masoch dieser Neigungen nachging. Viel wichtiger aber das sie die Grundlage seiner Schriften waren.
Auch wenn man nun dazu neigt zu denken, dass Krafft-Ebbing Masochisten als geschmacklos empfand, hatte großen Respekt vor dem Autor. „Als Mann kann Sacher-Masoch nichts von seiner Achtung die ihm Mitmenschen entgegenbringen verlieren, nur weil er Anomalien in seinen sexuellen Gefühlen hat. Als Autor wird er wahre Größe erreicht haben, da er für sich durch normale sexuelle Gefühle angetrieben wird.“
Moderner Masochismus
Sacher-Masoch kämpfte später mit psychischen Erkrankungen, wurde immer gewalttätiger und gegen Ende seine Lebens ereilten ihn Wahnvorstellungen. So ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass auch in der heutigen Zeit der Gedanke an Masochismus mit einer psychischen Erkrankung in Verbindung gebracht wird. Zwar fühlen sich Masochisten immer noch in negativen Kasten eingeengt, aber die Gesellschaft hat sich doch weiterentwickelt. So können Menschen die Masochismus praktizieren in einer ganz anderen Art darüber sprechen, als es zu den Zeiten von Sacher-Masoch je möglich gewesen wäre.
In der modernen Zeit des Internets gibt es auch genug Anlaufstellen in Form von Portalen und Foren, wo sich Gleichgesinnte treffen können. Doch auch in der realen Welt bekennen sich mehr und mehr Menschen zu ihrer Neigung und wollen den negativen Bann ihres Fetisch brechen. Diskussionsrunden geben Möglichkeiten zum Beispiel aufzuklären, wie die Verbindung zwischen BDSM und dem Gesetz ist und das BDSM nichts mit häuslicher Gewalt zu tun hat.
Das Erbe
Das Datum seines Todes ist nicht genau bekannt. Manche Forscher glauben, dass er 1895 heimlich in ein Sanatorium ging wo er noch weitere 10 Jahre lebte. Ganz gleich wann er gestorben ist, war Sacher-Masoch seiner Zeit voraus. Venus in Furs ist noch heute eine Grundlage um über Sex und dessen Definition zu diskutieren. Und das weit über einem Jahrhundert nach dessen Erscheinung. Einzigartig bewusst von der Dynamik des Sexes und der Macht, verstand Sacher-Masoch das empfindliche Gleichgewicht zwischen Dominanz und Unterwerfung. So kann Sex von einer bloßen angenehmen körperlichen Erfahrung zu etwas aufsteigen, das einen Menschen zu tiefst bewegt.
Tags: BDSM, Fetisch, Schmerz, sm, Unterwerfung
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