Die einsame Lust. Eine Kulturgeschichte der Selbstbefriedigung
Thomas W. Laqueur, Historiker an der Universität Berkeley, schildert die Geschichte der Masturbation und ihrer Verfemung. Seine scharfsichtige Analyse offenbart erschreckende (Ab-)Gründe.
Von der Antike bis in die frühe Neuzeit wurde die Onanie moralisch eher wie eine Nebensache behandelt. Erst im Zeitalter der Aufklärung wurde damit begonnen, sie regelrecht zu verteufeln, mit Auswirkungen, die über Sigmund Freud und Nancy Friday bis in die Gegenwart reichen.
Warum schiebt sich im oder um das Jahr 1712 (also zu Beginn der Aufklärung) das Problem der
Selbstbefriedigung aus der fernen Tiefe des moralischen Gesichtskreises in den ethischen Vordergrund? Über Jahrtausende hinweg war es von anderen Themen der Ethik des Körpers in den Schatten gestellt worden. Doch all dies änderte sich innerhalb von Jahrzehnten. Nicht nur in Europa, sondern überall, wo das Thema des modernen, begehrenden Subjekts virulent wurde, stieß man auf das Problem und die neuen Verlockungen dessen, was zuvor größtenteils unausgesprochen geblieben war. Die Selbstbefriedigung ist die Sexualität der Moderne und des Bürgertums, dessen Kind sie ist. Sie ist die erste wahrhaft demokratische Form von Sexualität. Warum also wird nun zum ersten Mal überhaupt die Regulierung einer Weise der sexuellen Befriedigung zu einem solchen Anlass zur Besorgnis?
Die einsame Lust: Eine Kulturgeschichte der Selbstbefriedigung
Tags: Auswirkung, Befriedigung, masturbation, onanie, selbstbefriedigung, Sexualität
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