Safewords. Wenn ein kleines Wort alles beendet

9 Juni 2010 2 Kommentare

Safewords sind Wörter die in der Regel in einer BDSM Session benutzt werden um eine Aktion zu unterbinden oder zu verlangsamen. Sicherheit beim Sex ist ein wichtiges Thema und deswegen auch Grund genug einen Blick auf die Safewords zu legen. Doch Vorsicht: Ein Chef wird die Wörter nicht akzeptieren wenn es darum geht seine Arbeit zu umgehen.

Sicherheit in Worten

Ein kleines Wort kann ein Maximum an Sicherheit bringen

Ein Schlüssel für eine erfolgreiche Interaktion zwischen Menschen ist eine effektive Kommunikation. Besonders gilt dieses im Bereich des BDSM. Interaktionen im Bereich des BDSM beinhalten Dinge, die einen Menschen verletzen können oder zumindest Schmerzen hinzufügen wie zum Beispiel Spanking, Schläge oder das Pieken mit Nadeln. Die Toilette säubern in einem Hausmädchenkostüm sind so gesehen noch eher harmlose Dinge. Die Art der Interaktion findet in der Regel in einem Rahmen statt wo beide ihr Einverständnis geben für das was passiert und sich auch im Klaren sind wo die Grenze ist, so dass niemand ernsthaft verletzt wird.

Safewords sind deswegen ein zusätzliches Hilfsmittel um das Geschehen sicherer zu machen. Ein Safeword muss dabei nicht unbedingt ein Wort sein sondern kann auch aus einer Geste bestehen die vor der Session ausgemacht wird. Normal wird aber ein Wort genommen, das auf keinen Fall im Kontext mit der Session steht. Popcorn zum Beispiel. Gängig ist die Farbe Rot, einfach Stopp oder simpler Safeword. Ganz gleich welches Wort vereinbart wurde sollte klar sein, dass mit der Aktion sofort Schluss ist wenn das Wort fällt.

Geschichte der Stopwords

Die Geschichte des Safewords ist wahrscheinlich so alt wie die der Sprache. Höchstwahrscheinlich ist die Entwicklung unabhängig von den Kulturen gelaufen. Jeder der sich mal in jungen Jahren mit seinem Bruder gezankt hat und ein wenig die Muskeln spielen ließ hat sicherlich schon mal das Safeword benutzt ohne sich dabei Gedanken zu machen. Ein einfaches Stopp oder auch „hör auf“ zum Beispiel.

Ebenso werden im Bereich des Kampfsports Worte benutzt um eine Aktion zu unterbinden. Maita zum Beispiel im Judo. Aber auch bei Mannschaftssportarten wie Basketball gibt es Zeichen, die das Spiel unterbrechen um sich zur Beratung zurück zu ziehen.

Der Sinn dieser Unterbrechung bzw. des Abbruches liegt darin sicherzustellen, dass es auf körperlicher und geistiger Ebene zu keiner negativen Beeinträchtigung kommt.

Gute Schmerzen, schlechte Schmerzen

Während einer SM-Session ist eine konstante und eindeutige Kommunikation sehr wichtig. Zum Beispiel wenn Manuel Jasmin peitscht. Wenn alles richtig gemacht wird, wird Manuel die ganze Zeit darauf achten wie Jasmin reagiert. Daraus können Rückschlüsse gebildet werden wie stark die Hiebe sein dürfen und wie lange damit noch fortgefahren wird. Jedoch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Das bedeutet, dass zwar die körperlichen Signale ausgewertet werden können, aber man keinen Einblick auf die psychische Ebene hat.

Selbstreden kann auch immer etwas schief laufen. So kann es sein das beim Peitschen eine Rute ins Auge knallt. Es sollte einleuchten, dass es gefährlich ist und deswegen nicht mit Absicht gemacht werden sollte. Wenn es jedoch passieren sollte, so ist das der passende Moment für das Safeword. Wird es genannt ist sofort mit dem auspeitschen aufzuhören und bei der Person nachzufragen was geschehen ist und ob alles ok ist. Zuwendung ist in diesem Falle sehr wichtig. Neben etwas Eis für das Auge – in diesem Falle – ist es auch wichtig die Person zu umsorgen und so aufzufangen.
Nimmt man auspeitschen als Beispiel wird es ganz schnell klar wieso ein Safeword nicht mit der Session zusammenhängen soll. Nahezu alle Menschen werden, wenn sie von der Peitsche getroffen werden, Worte wie „Aua“, „Nein“ oder „Autsch“ benutzen. Da es nicht einfach ist diesen Ausruf einzusortieren, ob es ein gutes oder böses Aua ist, sind spezielle Wörter so essentiell.

Doch wann sollte ein Safeword benutzt werden?

Körperlich:

Wenn es zu schmerzhaft wird
Wenn die Situation zu anstrengend wird

Mental:

Wenn es zu intensiv wird
Der Dom oder Sub sich nicht richtig fokussieren kann
Die Aufgabe geistig nicht zu schaffen ist – zum Beispiel: Bondageknoten machen mit denen man nicht vertraut ist.

Emotional:

Wenn die Seele zu stark belastet wird
Wenn schlimme Erinnerungen oder Traumata hervorgerufen werden
Wenn zu viele verschiedene Emotionen auftreten die nicht mehr zu handhaben sind

Nun haben wir ein Problem

Ein Safeword wird aber nicht nur von Subs benutzt. Auch dominante Personen geraten in die Lage, dass sie aus einer Szene ausbrechen wollen. Das Rollenspiel ist hierfür ein gutes Beispiel. Gehen wir davon aus, dass das Rollenspiel im vollen Gange ist. Der Unterwürfige ruft der Domina angeblich falsche Namen zu in der Hoffnung bestraft zu werden. Nun ruft er einen Namen welche die Person zum Beispiel an eine Misshandlung erinnert. Dieser Trigger wirft einen Menschen innerhalb von einem kurzen Augenblick in eine total andere Welt und macht es notwendig die Szene zu beenden. Das prekäre an der Situation ist das es sich um ein Rollenspiel handelt. Wenn der dominante Part nur einfach „nicht mehr“ sagt, weiß der andere nicht, dass es vorbei ist. Ein klares Wort welches nicht im Zusammenhang steht ist deswegen fast ein Muss.

Ein weiterer Grund für das Beenden einer Szene kann sein, dass der unterwürfige um mehr Peinigung bittet, der dominante Part aber nicht mehr geben kann. Solch ein Moment können Spiele mit einem Messer sein. Silvia malt während einer Session mit einem Messer Figuren oder Zeichnungen auf Kevins Po. Da seine Haut sehr empfindlich ist, schwillt die Kontaktfläche auf der Haut sehr stark an. Das mag Kevin gefallen und es ist auch möglich, dass er mehr will. Doch irgendwann ist der Punkt angekommen an dem einfach kein Platz mehr ist. Das bedeutet, dass jedes weitere verwenden von dem Messer dazu führt, dass Haut abgeschnitten wird. Das ist nun mal etwas mit dem nicht jeder klar kommt. Ein Safeword hat in diesem Falle zwei Merkmale. Auf der einen Seite definiert es klar das Ende dieser Szene und auf der anderen zeigt es dem Partner, dass er nichts falsch gemacht hat und sich keine Gedanken machen braucht.

Arten von Safewords

Ganz gleich welches Safewort genutzt wird sollte es bestimmte Eigenschaften haben. Es muss kurz und leicht zu merken sein. Denn wer hat schon Lust beim Sex die ganze Zeit zu denken und angestrengt zu zuhören. Am einfachsten ist die Ampellösung. Wie im Straßenverkehr sind die Farben ganz eindeutig und unverkennbar. Rot ist dabei gleichzusetzen mit dem sofortigen Ende einer Aktion.

Gelb bedeutet in dem Falle, dass eine Aktion zu hart ist. Zum Beispiel das beim Spanking etwas behutsamer geschlagen werden soll. Es kann aber auch bedeuten, dass mit einer Szene nicht aufgehört werden soll dafür aber mit der momentanen Aktion. Zum Beispiel das Spanking darf weitergehen aber nicht der Vergleich mit einem flauschigen Hasen.

Grün ist einfach. Grün bedeutet weitermachen oder härter werden. Das ist besonders dann hilfreich, wenn der Unterwürfige mehr möchte der Dominante sich aber nicht sicher ist ob er noch mehr verkraftet. Eine Möglichkeit wäre die Szene zu unterbrechen und zu fragen oder der Unterwürfige schreit einfach grün.

Wenn Nein ein Ja ist

Kommunikation ist ein wichtiges Mittel im Bereich des Sexes. Wird vor dem Sex oder der Session ein Safeword vereinbart ist es umso einfacher seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Das bedeutet, dass solange niemand dieses Wort benutzt alles im gegenseitigen Einvernehmen geschieht. So lassen sich Rollenspiele aufbauen in denen ein Nein ein Ja bedeuten kann.

Es gibt auch andere Arten

Wenn man nicht sprechen kann, lassen sich auch Handzeichen vereinbaren

Wenn man nicht sprechen kann, lassen sich auch Handzeichen vereinbaren

Für manche ist die Verwendung eine Safeword viel zu künstlich. Zudem mögen es manche Master nicht, wenn die Unterwürfige Person in der Lage ist eine Szene abzubrechen. So kontrollieren sie lieber selber wie es um das Wohlbefinden steht und reagieren dann wenn eine negative Antwort darauf kommt.

Für manche kommt die Verwendung nicht in Frage, da sie Angst haben sich zu sicher zu fühlen und Fehler zu begehen. Dennoch bedeutet Sicherheit nicht, dass man keinen Spaß haben kann. Eine Fahrt in der Achterbahn macht Spaß und trotzdem legt man den Sicherheitsgurt an.

Ein berechtigter Einwand ist der, dass es nicht immer möglich ist zu sprechen. Zum Beispiel wenn ein Ballknebel im Mund ist. In solchen Fällen empfiehlt es sich ein Zeichen auszumachen, welches dem anderen signalisiert, dass es enden muss. Ein Beispiel ist das Kitzeln. Wird zu stark oder zu lang gekitzelt besteht die Möglichkeit der Hyperventilation. In diesem Moment ist es schwer bis unmöglich noch zu sprechen. Einigt man sich darauf ein Handtuch zu schmeißen, das man in der Hand hält, weiß der gegenüber das eine Pause von Nöten ist um wieder zu Atem zu kommen.

Ein Safeword gibt nicht die Macht ab

Wie angesprochen lehnen einige dominante Personen das Verwenden von Safewords ab im Gedanken daran, dass der unterwürfige zu viel Einfluss nehmen kann. Dabei ist es nur möglich eine Szene zu beenden jedoch nicht diese zu gestalten. Beispielweise sei die Führerscheinprüfung genannt. Der Fahrschüler muss in der Prüfung alles das machen was der Prüfer verlangt. Es steht ihm jedoch frei den Test abzubrechen. Die Prüfung ist damit zwar nicht bestanden, aber das ändert nichts daran, dass der Prüfer noch das sagen hat was getan wird.

Doch Vorsicht. Das Verwenden eines Safeword ist nicht gleich zu setzen damit, dass nichts passieren kann. Ein Auto hat auch Bremsen, aber kann trotzdem einen Abhang hinunter stürzen. Der dominante Part hat somit dennoch die Pflicht zu kontrollieren ob alles in Ordnung ist und für die Sicherheit zu sorgen. Manche Master fragen einfach nach dem Zustand bzw. welche Farbe der unterwürfige hat.

Sicherheit ist nur Wort. Sicherheit kann nie etwas falsches sein und bedeutet auch nicht, dass einer von beiden etwas falsch gemacht hat. Es ist nur ein kommunikatives Hilfsmittel. BDSM ist eine Praktik in der es um Erfahrung geht und ein Safeword ist ein weiteres Hilfsmittel um es sicherer und spannender zu machen

Tags: Ballknebel, BDSM, Bondage, Knebel, Kommunikation, Rollenspiel, Schmerz, Schmerzen, sm, Spanking

Geschrieben von: Sex-Mister


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2 Kommentare »

  • Flo said:

    Danke für diesen informativen Artikel! Nicht nur an der Oberfläche gegkratzt, sondern auch sehr schön für Anfänger klar formuliert!

  • anna maja said:

    Danke für den Beitrag. Ich selbst finde allerdings ein Safeword viel zu künstlich, es stört. Gerade die Möglichkeit mit der Ampel macht ein Spiel kaputt, wenn ich ständig gelb oder grün gegen den Knebel brüllen müsste. Ich empfinde es als angenehmer, wenn Dom in regelmäßigen Abständen einhält, zärtlich nachfragt “Alles okay”, er kann das gut einschätzen an Körperhaltung und Antwort. Aber jeder muss das für sich selbst entscheiden. Das Wesentliche ist meiner Meinung nach, dass man VORHER darüber spricht, wie man sich in solchen Situationen verhalten möchte. Damit beide Seiten die gleichen Maßstäbe ansetzen.

    Mfg
    maja

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